Die Geschichte des SSV Rheintreu Lüttingen e. V.


Ein herrliches Stück Historie – als der Ball in Lüttingen rollen lernte

„Früher” während der Anfänge des Fußballspiels in Lüttingen war es auch ein gutes Stück Dorfstolz, einen Fußballverein zu haben. Wie herausragend die Leistungen der Lüttinger Kicker waren, davon erzählt die nachfolgende köstliche Historie.

Die Vorkriegsgeschichte:

Im Jahre 1927 gingen viele Lüttinger ihrer Fußballleidenschaft in anderen, in der Nachbarschaft liegenden Vereinen nach. So zum Beispiel auch Viktor Furth, Peter Litjens, Theodor Rösen, Theodor Schweers, Heinrich Manten, Heinrich van Gelder und „Peter’s Döres”. Allesamt waren sie Spieler der 1. Mannschaft des DJK TuB Xanten. Als diese Lüttinger „Urgewächse” jedoch nicht mehr bereit waren, ihre sportlichen Erfolge auf eine andere Fahne zu schreiben, wurde im Sommer 1927 unserer heutiger Verein, seinerzeit mit dem Namen DJK Rheintreu Lüttingen, ins Leben gerufen.

Zum ersten Vorsitzenden in der Vereinsgeschichte wurde Karl Ackermann bestellt. Als Vereinslokal wählte man die Gaststätte Heinrich van Wesel und damals wurde schon in den Vereinsfarben „Rot-Weiß” gespielt. Die erste Platzanlage wurde kostenlos vom Vereinswirt zur Verfügung gestellt.

Nach der Gründung nahm die DJK Rheintreu Lüttingen am regulären Spielbetrieb der unter kirchlicher Leitung stehenden DJK-Vereine teil und startete in der C-Klasse. Da man in der C-Klasse im ersten Jahr der Zugehörigkeit sofort ungeschlagen die Meisterschaft erringen konnte, durfte man die B-Klasse überspringen und stieg sofort in die A-Klasse auf.

Auch in der A-Klasse konnte auf Anhieb 1929 die errungene Meisterschaft gebührend im Vereinslokal van Wesel gefeiert werden. Mittelstürmer Viktor Furth brach sich in diesem Jahr nach überhartem Einsatz im Spiel gegen Orsoy das Bein. Sein Kommentar: „Ich habe mir immer die Füße gewaschen, ausgerechnet heute nicht.” Er lag daraufhin sechs Wochen im Krankenhaus.

Das Ziel, der Aufstieg in die Gau-Klasse, war erreicht. Dies war die höchste Spielklasse, die innerhalb der DJK-Vereine existierte.

Obwohl die Lüttinger in der Gau-Klasse gegen stärkste Konkurrenz anzutreten hatten, u.a. gegen Rot-Weiß Oberhausen, konnte die Meisterschaftstrophäe nach Lüttingen geholt werden. Ein wahrer Freudentaumel war die Folge. Das ganze Dorf war auf den Beinen und feierte kräftig mit.
Anschließend wurde gegen die Gau-Meister der Kreise Kleve und Geldern um die linksrheinische Meisterschaft gespielt. Hier blieb den Lüttinger der ganz große Erfolg versagt, man erreichte jedoch einen achtbaren 2. Platz und konnte so die Vizemeisterschaft erringen.

Als beste Fußball-Elf des unteren Niederrheins wurde die Mannschaft um 1932 zu einem Stiftungsfest nach Menzelen eingeladen. Dort spielte man gegen den oftmaligen Meister der Gau-Klasse „Hochheide”. Als die Hochheider das Prestige-Duell gegen den vermeitlichen „Dorfverein” mit 2:3 verloren hatten, nahmen sie aus Verärgerung am anschließenden Festumzug nicht mehr teil.

Diesem ungetrübten Vereinleben war jedoch kein lang anhaltendes Glück beschieden. Im Jahre 1934 wurden dem DJK Rheintreu aufgrund der politischen Wirren sowohl die Vereinskasse als auch sämtliche errungender Trophäen beschlagnahmt. Da die DJK-Vereine (Deutsche Jugendkraft) unter kirchlicher Leitung standen, erfolgte gleichzeitig das Verbot für diese Vereine. Den Antrag, innerhalb des westdeutschen Fußballverbandes weiterspielen zu dürfen, wurde mit der Begründung abgelehnt, daß die Spieler nur eine Viertelstunde von Xanten entfernt wohnen würden und zwei Vereine nebeneinander nicht existieren könnten. Der damalige 1. Vorsitzende Gerd Litjens konnte dem Treiben der politischen Machthaber nur tatenlos zusehen. Der Verein wurde aber nicht abgemeldet, der Verein ruhte.

Woran lag es, daß unsere Elf in jenen Tagen so erfolgreich war? Etwa am Doping? – denn das war für die Lüttinger Elf kein Fremdwort: vor dem Spiel gab es vom Vereinswirt für jeden Spieler einen Kaffee, in den ein rohes Ei geschlagen wurde.

Die Nachkriegsgeschichte:

Aufgrund der vielen Erwerbslosen und der herrschenden Langeweile wurde aus der Not heraus auf einer Versammlung am 2.4.1946 unser Verein von 32 Lüttinger Bürgern wieder ins Leben gerufen. Der Vereinsname wurde in VfB Rheintreu Lüttingen geändert. Da in der Nachbargemeinde Wardt noch kein eigenständiger Sportverein gegründet war, schlossen sich Wardter Spieler dem Lüttinger Sportverein an. Der Vereinsname wurde in VfB Rheintreu Lüttingen-Wardt geändert.

Eine Anekdote aus jenen Tagen darf hier auf keinen Fall vergessen werden. Aufgrund eines Hühnerauges hatte sich Fritz Overfeld ein Loch in seinen Fußballschuh geschnitten. Im Spiel wurde er so schwer verletzt, daß er ausgewechselt werden mußte. Man hatte ihm sein Hühnerauge weggetreten.

Unter dem Vorsitz von Gerd Pieper konnte dann 1949/1950 der Spielbetrieb auf der alten Platzanlage am Vereinlokal van Wesel, die vorher durch Kriegseinwirkungen mehrer Jahre nicht bespielbar war, wieder aufgenommen werden. Ebenfalls 1949 verselbständigten sich einige Wardter Spieler und verließen den Verein.

Leider ließen im Lauf der Zeit die Aktivitäten innerhalb des Vereins nach. Mitte der 50er Jahre mußte der VfB Rheintreu Lüttingen den Spielbetrieb einstellen.

Der Abstecher nach Wardt

Wieder waren es einige sportbegeisterte Lüttinger die sich im Jahre 1967 darum bemühten, das „gestrandete” Schiff wieder flott zu bekommen. Das Vorhaben, den ruhenden VfB Rheintreu Lüttingen als eigenständigen Verein weiterzuführen, scheiterte jedoch an einer fehlenden Sportplatzanlage. Daraufhin trat man in Verhandlungen mit dem Nachbarverein Wardt ein, zum Zwecke der Gründung eines Großvereins Wardt-Lüttingen.

In der Gaststätte Dieter Janßen wurde dann am 15.7.1967 der DJK Eintracht Wardt-Lüttingen geboren. Dem Vorstand gehörten von Lüttinger Seite Gerhard Pieper als 2. Vorsitzender, Heinrich Geurtz als Hauptkassierer, sowie Gerd Schmithuisen und Norbert Gamerschlag als Hilfskassierer an. Als Vereinsfarben wurden „Grün-Weiß” gewählt, gespielt wurde auf der Sportplatzanlage in Wardt.

Gespielt wurde in der Kreisliga B. Anfangs auch mit großen Erfolg, bewegte man sich doch mit der ersten Mannschaft in oberen Tabellenregionen. Doch nach und nach traten immer größere dörfliche Rivalitäten auf, so daß dem Abstecher ins benachbarte Wardt im Seniorenbereich nur eine kurze Lebensdauer beschieden war. Der Spielbetrieb der Lüttinger Jugend wurde unter dem Namen DJK Wardt-Lüttingen weitergeführt, und die Jugendabteilung bei der Wiedergeburt unseres Verein im Jahre 1975 voll integriert.

Aufbruchstimmung in den Siebzigern:

Hobbyfußball mag zwar ganz unterhaltsam sein, ehrgeizige Sportler wollen aber mehr. Sie wollen ihr Können mit anderen Vereinsmannschaften messen und den sichtbaren Erfolg. Dieser Ehrgeiz ließ engagierte Ehemalige nicht ruhen und so fand unter der Leitung des jungen Ratsmitgliedes Josef Bours am 29. August 1975 im Lokal van Wesel auf der Salmstrasse eine Gründungsversammlung statt. Die 51 anwesenden Interessenten einigten sich auf die Vereinsfarben „Rot-Weiß” , den Namen „SSV Rheintreu Lüttingen” und der Sportplatz bei van Wesel wurde angepachtet.

Ein Meilenstein in der Geschichte des SSV Rheintreu Lüttingen war die Übergabe und Einweihung der neuen Sportplatzanlage am Schürkamp im September 1982. Gleichzeitig bahnte sich ein weiterer Glücksfall an. Eine moderne Turn- und Sporthalle wurde gebaut; nahe der Schule und zum Sportplatz gelegen.

Die Räumlichkeiten wurden 1984 durch die Stadt Xanten eingeweiht. Der SSV Rheintreu Lüttingen erhielt weiteren Zulauf und konnte Trainingseinheiten im Bereich des Breitensports anbieten.

Heute sind im SSV Rheintreu Lüttingen fast 800 Mitglieder aktiv. Neben der Fußballabteilung bietet der Verein für jede Altersgruppe die Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen.